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Ein leicht geschriebener Bericht über sehr ernsthafte Taten
Über die Aufklärung der Morde in Dobronin, über die Beneschdekrete, Frau Merkel, ihre tschechische Freunde in der Wissenschaft und mehr …
27. August 2010
ls vor einigen Tagen die tschechischen Medien über die Ausgrabungen in Dobronin berichteten, schlug das Herz manches Vertriebenen hoch. Endlich wird in Tschechien der üblen Nachkriegstaten nachgegangen. Dobronin (Dobrenz) ist durch den deutschen Namen des Nachbarortes Bergersdorf bekannt. Hier haben tschechische Garden im Mai 1945 etwa 15 deutsche Dorfbewohner brutal geschlagen und ermordet. Die traurige Geschichte des Ortes ist im gleichnamigen Buch der deutschen Autorin Herma Kennel eingeschrieben.
Wie ein Geschenk vom Himmel ergossen sich jeden Tag die tschechischen Medienberichte über Dobronin in das Bewußtsein der tschechischen Bürger. Auf der Stelle wird ausgegraben, ein Polizeikommissar macht mit, ein tschechischer Journalist fahndet in eigener Sache, Skelette wurden bald gefunden, sogar ein alter Spaten …, alles schien bestens zu laufen, einschließlich der polizeilichen Assistenz – der Kommissar macht wunderbar mit, wurde betont.
Man mußte sich fragen, wieso auf der tschechischen Seite plötzlich soviel Interesse über diese 1945 verübte Tat bei Dobronin herrschte? Denn schon so oft hat man in der Tschechei gefahndet, andere Morde an den Deutschen wurden (scheinbar) polizeilich und in den Medien untersucht, noch nie war was daraus geworden. Hängt es etwa mit der neuen Regierung von Petr Nečas in Prag zusammen? Ja, es ist logisch, diese Idee rückt in den Kopf ein, es ist wahrscheinlich, daß es sich endlich was in Prag tut. Die Fahndung in Dobronin ist aber nichts neues, sie wurde schon im September vorigen Jahres eingeleitet (wie auch in der Presse betont wurde). Also kein unmittelbarer Zusammenhang mit der neuen Regierung in Prag?
Doch dann kam eine andere tschechische Nachricht. Noch sind die Dobroninberichte nicht ausgeklungen und schon las man in der Zeitung, der neue tschechische Premierminister sei in Berlin zu Besuch bei der Bundeskanzlerin Merkel. Er wird auch von dem Bundespräsidenten Wulff empfangen. Die übertriebene Berichterstattung der tschechischen Presse ließ die versteckten Zusammenhänge ans Licht kommen. Die Bundeskanzlerin konnte sich kaum ein besseres Geschenk seitens ihres tschechischen Kollegen wünschen als die Medienberichte über Dobronin. Das tat gut um ihre angeschlagene Position zu verbessern. Die Vertriebenen sollen denken es tut sich wirklich was, die Regierung in Berlin hat sie nicht vergessen. Doch tut sich wirklich was?
Der tschechische Premierminister hat das Dobronin- Geschenk nach Berlin gebracht, sagte dort aber auch gleich, die Beneschdekrete seien für Tschechien kein Thema, man wolle nicht in die Vergangenheit, sondern gemeinsam in die Zukunft blicken. Wer wegen der Beneschdekrete nach Prag reise sei dort nicht erwünscht. Die Bundeskanzlerin stimmte den „Blicken in die gemeinsame Zukunft“ gerne zu. Zugleich fühlte sie sich von ihrem tschechischen Kollegen geschmeichelt, denn derjenige, der wegen der Beneschdekrete Prag offiziell besuchen will, ist der in Berlin nicht gerade beliebte bayerische Ministerpräsident Seehofer. Das wieder tut der tschechischen Regierung in Prag gut, daß gerade Seehofer, der sich um die Sudetendeutschen kümmert, nicht nur in Prag, sondern auch in Berlin nicht gerade beliebt ist.
Ja, die Beziehungen zwischen Tschechien und Deutschland sind unter Angela Merkel mehr geworden als bloß ausgezeichnet. Und die Tschechen wissen es auszunutzen. Kein Wunder, denn die Bundeskanzlerin hat in Tschechien viele Freunde und das bewirkt manches. Schon in DDR-Zeiten hat sie als junge Physikerin während ihrer Besuche in Prag viele tschechische Wissenschaftler kennen gelernt. Alte Freundschaft rostet nicht. Was also könnte sich Frau Merkel anderes als den neuen Premierminister Nečas wünschen? Auch er ist Physiker, hat in Brünn studierte, die zwei müssen sich bestens verstehen. Sicher besser als die Vertriebenen ihre Bundeskanzlerin verstehen.
Und was wird aus den Ausgrabungen in Dobronin? Kaum was. Ähnlich wie andere Fahndungen zuvor werden sie in Vergessenheit geraten. Daß Mord in Tschechien verjährt, darauf machten die tschechischen Medien schon im Vorfeld aufmerksam. Es wurden nur 6 Überreste der Opfer gefunden. Das ist zu wenig um einen Völkermord - eine Straftat die nicht verjährt - nachzuweisen. Zur Freude der Tschechen, zugleich zur Freude der Feinde der Vertriebenen in Deutschland. Lediglich die paar Vertriebenen, die ihre Angehörigen bei Dobronin 1945 verloren haben, können diese jetzt identifizieren. Die tschechischen Wissenschaftler aus Brünn bekommen die Chance per DNA-Analyse die Überreste von Dobronin zu identifizieren. Sicherlich eine ehrenvolle Aufgabe, denn dafür sind Blutproben der in Deutschland lebenden Verwandten notwendig, da wird manch ein Wissenschaftler von Brünn nach Berlin (oder umgekehrt) reisen müssen. Und die Auslandsreisen der Wissenschaftler aus dem Osten waren schon zur Zeiten der jungen Physikerin Merkel sehr beliebt. Das macht Freude im tristen Leben eines sonst wenig erfolgreichen tschechischen Wissenschaftlers. Wissenschaftliche Zusammenarbeit wird geknüpft, da werden die Tschechen die Chance ergreifen solange ihre Freundin in Berlin noch im Amt ist. Ist es wiederum ein Geschenk der Bundeskanzlerin an die Tschechen? Wahrscheinlich nicht, da müssen die Tschechen um die Anerkennung auf dem Feld der Wissenschaft kaum bangen, denn schon im September bekommt ein tschechischer Naturwissenschaftler aus Brünn in Hamburg den mit 750 tausend Euro dotierten europäischen Körberpreis. Er hat zwar nichts Konkretes erfunden, doch seine Arbeit lieferten „grundlegende Denkanstösse nicht nur für die pflanzenwissenschaftliche Forschung“ wie die Medien in Deutschland berichtet haben.
Und was wird aus der Bundeskanzlerin Merkel werden? Wird sie die derzeitigen Probleme im Amt überwinden? Aber sicher, „you gonna make it“, du wirst es schaffen, hat ihr der amerikanische Präsident Obama auf die Schulter klopfend schon früher zugesichert.
     
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