13. Oktober 2007
Anfangs des 20. Jahrhunderts bekam der Inhaber der Leichenbestattungsanstalt am Brünner Zentralfriedhof, Herr Arthur Vetter folgenden merkwürdigen Brief eines Selbstmörders, des ehemaligen hiesigen Geschäftsleiters Emil Doležal. Dieser hat sich in der Nähe seines Familiengrabes am Zentralfriedhof erschossen.

ochgeehrter Herr Vetter!
Wenn Sie diese Zeilen lesen werden, habe ich mit meinem Leben abgeschlossen. Es ist besser so, als ein Gebrandtmarkter in der Welt zu sein. Ich bitte Sie in meiner letzten Stunde, mir alles zu verzeihen, der liebe Gott soll Ihnen und Ihrer Familie alles reichlich lohnen. Ich bitte Sie recht sehr, das ganze gerichtliche Verfahren einzustellen. Auch bitte ich Sie, mir den letzten Liebesdienst zu erweisen und mich in der einfachsten Weise vom Zentralfriedhofe aus zu bestatten. Ich bitte Sie recht höflichst, mir folgendes gegen mäßige Bezahlung beizustellen: Einen gekehlten Sarg, ein Handkreuz, sechs Mann Träger, Bahre und Bahrtuch und keine Kerzen, ein Einzelgrab auf den Namen meiner Frau Amalie Doležal.
Einsegnen soll mich der Kapuziner Pater Stanislaus Žila. Für meine Familie bitte ich zwei Wagen, Josefstadt 22, dann einen Wagen für die Familie Litzel, Neugasse 46, und einen Wagen für die Familie Zallmann beizustellen. Die Beerdigung bitte ich sehr spät am Abend zu machen. Auch bitte ich noch einen Wagen für Pater Stanislaus Žila zum Kloster beizustellen. Dann bitte ich eine heilige Messe bei den Kapuzinern und eine heilige Messe bei Sankt Thomas um 7 Uhr früh lesen zu lassen. Wenn es möglich ist, so bitte ich, einen Trauerwagen für meine Familie zur heiligen Messe St. Thomas beizustellen.
Indem ich in meiner letzten Sterbestunde um gütige Verzeihung bitte für den begangenen Fehler und für die nachsichtsvolle Handlungsweise Ihnen allen, allen vom Herzen danke, bitte ich nochmals, meinen letzten Willen in gütiger Weise durchzuführen. Ich bitte Sie, hochgeehrter Herr Vetter, mir nichts Übles nachzusagen, denn ich habe nur gelebt mit Eifer und Fleiß für Ihre Anstalt. Herr Lischka soll die Güte haben, mich zur letzten Ruhestätte zu begleiten. Die Namen der fünf edlen Charaktere, welche dazu beigetragen haben, meine Existenz ganz zu vernichten und meine brave Familie in ein so namenslosen Unglück gebracht haben, werden Sie, sehr geehrtetr Herr Vetter, bald in Erfahrung bringen. Es wird auch dieselben seinerzeit die rächende Nemesis holen.
Nochmals herzlichsten Dank für alles. Indem ich Ihre sehr werte Familie zum letzten Male grüßen lasse, nehmen Sie den Scheidegruß entgegen von Ihrem Emil Doležal.
Der letzte Wille des Selbstmörders wurde angeblich erfüllt.