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Luftschiffe in Teplitz
Deutsch-tschechische Fliegerei in Böhmen, Teil 3
Josef Kapoun, 27. November 2006
m 12. Juli 1911 entschied die ausserordentliche Versammlung des Vereins, einen eigenen Ballon zu kaufen. Sogleich wurde auch die bisherige Bezeichnung des "Vereins für Luftschiffahrt und Aviatik in Böhmen" auf "Deutscher Luftfahrt-Verein Böhmen" abgeändert. Diese Änderung genehmigte die k.u.k. Statthalterei in Prag am 4. August 1911.
Am 27. August 1911 realisierte der Verein den zweiten Ballonflug, diesmal von Aussig aus, mit dem sächsichen Ballon "Elbe" samt Piloten.
Am 17. September 1911 erfolgte der dritte Aufstieg in Aussig mit dem dresdener Ballon "Hilde". Aus Teplitz stieg zum zweitenmal der Ballon "Dresden" am 8. Oktober 1911 auf. Er landete bei der russischen Grenze.
Am 22. Oktober 1911 erfolgte ein Probeflug des gekauften Ballons. Er wurde am 26. November 1911 feierlich in Aussig auf den Namen "Böhmen" getauft.
Taufpatin war die Ehefrau von Adolf Graf Waldstein, dem Präsidetnen des Vereins. Er stiegt danach auch auf.
Persönlich waren bei der Ballontaufe z. B:
Johann Husak, Bürgermeiaster von Teplitz-Schönau
Herr Ohnsorg, Bürgermeiater von Aussig
Herr Krisch, Bürgermeister von Dux
Dr. Frank, Bezirkshauptmann von Dux, u. a.
Vorgelesen wurden dabei Glückwunschschreiben von:
Reichsratabgeorneten Dr. von Lodgman, Aussig
Reichsratabgeordneten Wilhelm Keller, Oberleutensdorf
Reichsrathabgeordneten Dr. Herold, Bürgermeister von Brüx
Stathaltereirat Dr. Czerny, Leitmeritz
Stathaltereirat Richard M. Gräf, Teplitz, und anderen.
Im Jahre 1912 wurden bei der Realisierung der militaristischen und nationalistischen Ziele des Vereins nicht mehr bloss unterhaltende und einübende Ballonflüge durchgeführt, sondern der Verein beteiligte sich auch an sportlichen und wissenschaftlichen Ballon-Veranstaltungen.
Im Jahre 1912 "... umfassten die Bestrebungen unseres Vereins ausser den allgemeinen sportlichen und wissenschaftlichen auch noch vaterländisch-militärische Angelegenheiten."
In der Sitzung der Österreichischen aeronatischen Kommission am 10. Januar 1912 in Wien wurde der böhmische Verein in den Österreichischen Luftschifferverbad, rechtsgültig vom 27. Januar 1912, aufgenommen. Als Vertreter wurde in die "Österreichische aeronautische Kommission" Oberstleutnant Hörnes gewählt.
In diesen Tagen verliefen in Wien zugleich die Zweiten Österreichischen Luftschiffertage die Wiener Flugwoche. Dabei kam der Gedanke auf, in Österreich zwingend erforderliche Mittel zur Schaffung einer miltärischen Luftflotte zu sammeln.
Diese Idee fand auch im teplitzer Verein positives Echo. Denn eines seiner Ziele war doch die Förderung der Luftschiffahrt in Deutschböhmen. Der Verein nahm daher regen Anteil an der Gründung des Landeskommittees in Böhmen zum Aufbau einer österreichischen militärischen Luftflotte, und erklärte sich bereit, in Deutsch-Böhmen mit der Sammlung von Geldern zu beginnen.
Die Gründungsversammlung des Landeskommittees zur Schaffung der Luftflotte für Böhmen erfolgte am 19. November 1912 in Prag, unter dem Vorsitzt des Oberstlandmarschalls von Böhmen Prinz Ferdinand Lobkowitz.
Die grösste Tat dieses Kommittees war die Herausgabe einer Ansichtskarte zur Propagierung des Wettbewerbsfluges der Firma Schicht mit Belohnung von 100.000 österr. Kronen. Bei dem Wettbewerbflug am 19. April 1914 überflogen zwar drei Luftfahrer die Stadt Teplitz, aber keiner von ihnen erfüllte die aufgestellten Bedingungen.
In einem anderen Nachtflug flog der Ballon "Böhmen" aus Aussig bis nach Hamburg.
In Teplitz-Schönau wurde damals auch die Ortsgruppe des österreichischen Flottenwesens gebildet, dessen Leiter der örtliche Glassunternehmer Josef Max Mühlig gewählt wurde. Er war schon im Jahre 1897 Mitbegründer der teplitzer Sektion des "Bund österreichischer Industrieller", mit Sitz in Wien. Mühlig war kein deutschböhmischer Nationalist. Als im Februar 1914 der bedeutende sudetendeutsche Führer damaliger Zeit Dr. Tito Geburtstag feierte, spendete Mühlig bloss 15 Kronen.
Während des Jahres 1912 unternahm der teplitzer Ballon-Verein wieder mehrere Ballonaufstiege, z. B. den achten aus Gablonz-Jablonec nad Nisou, bei welchem er die Höhe von 2500 m erreichte. Er flog 17 Studnen auch während der Nacht. Der Vereinsballon "Böhmen" beteiligte sich ebenfalls am internationalen Wettbewerb der Luftschiffer "Gordon-Bennett Pokal" (zum ersten mal im Jahr 1906 gestartet), organisiert vom "Österreichischen Aero-Klub". Am 17. November 1912 erfolgte auch die Teilnahme von "Böhmen" an einer Ballon-Fuchsjagd in Wien-Leopoldau.
Im Jahr 1913 flog aus Aussig aus der Nähe des Gaswerkes mit Leuchtgas gefüllter Ballon, desse Passagiere der Inhaber der teplitzer Glasfabrik Max Josef Mühlig und seine Ehefrau Marie, deren Freund Brunno von Eders (Geenraldirektor der Aussiger Eisenbahn waren. Flugkapitän war Herr Hoffer aus Wien.
Mühlig verblieb bis zu seinem Tod Freund der Fliegerei, wenn auch er offenbar nicht mehr flog. Davon zeugt das ihm im Jahre 1937 von der Masaryk-Flugliga erteilte Diplom.
Im Jahr 1913 schenkte die aussiger Firma Johann Schicht AG (1600 Mitarbeiter; heute Setuza AG) dem teplitzer Verein einen Ballon mit dem Namen "Schicht". Dessen erster Aufstieg erfolgte am 23. November 1913.
Zum Gedenken des hundertsten Jahrestages der napoleonischen Schlacht bei
Kulm-Chlumec in der Nähe von Teplitz im Jahre 1813 wurde ein Denkmal den gefallennen österreichischen Soldaten eingeweiht. An der Feier nahm der Erzherzog Franz Karl Josef mit sehr vornehmer Begleitung teil. Aus Kulm startete der Ballon "Böhmen" unter völlig militärischen Bedingungen. Er wurde mit Wasserstoff gefüllt. Er überflog in 7 Stunden eine Distanz von 195 km, in einer maximalen Höhe von 2000 m. Sein Luftweg führte nordwestlich über Leipzig bis in die Nähe des Ufers des Nordmeeres, nach Aken an der Elbe.
Das Jahrbuch für das verflossene Jahr 1914 verkündete "... die Zuversicht, dass im engen Anschlusse an das Zentral- und deutschböhmische Landeskommittee zur Schaffung einer österreichischen Luftflotte vergönnt sein dürfte, an dem grossen Werke des Aufbaues der österreichischen Luftflotte in der Provinz Böhmen erfolgreich mitzuarbeiten. ... Die tschechische Sektion des Landeskommittees hat keine diesbezügliche Tätigkeit entfaltet. ...Wir haben unser gesamtes verfügbares Vermögen dem Vaterlande als Zeichnung auf die Kriegsanleihe zur Verfügung gestellt."
Dem Zentralkommittee zur Schaffung der österreichischen Luftflotte in Wien wurde der Betrag 115.411.80 Kronen übermittrelt. Gleich nach der Mobillisation wurden der Heeresleitung beide Vereinsballone "Böhmen" und "Schicht" übergeben. "
Der "Schicht" stiegt kurz vor der Einnahme der Festung Przemysl durch Russen auf, viel aber in in Hände des Feindes. Das Schicksal des "Böhmen" blieb unbekannt.
Das Jahrbuch des Vereins für das Jahr 1914 enthält auch die Liste der Vereinsmitglieder, die nach der Mobilmachung in grosser Zahl den Militärdienst antraten.
Das ganze Jahr 1915 war im Zeichen des Krieges. Die Verhältnisse erlaubten es nicht, die Hauptversammlung des Vereins abzuhalten.
Im September 1915 fand eine gemeinsame Sitzung des Österreichischen Aerklubs mit den Provinzvereinen statt, bei welcher Sitzung auch die Entschädigung des teplitzer Vereins für seine abgegebenen Ballone behandelt wurde.
Anfang des Jahres 1916 bezahlte dann tatsächlich die Heereisleitung in Bar beide Ballone, damit der Verein nach dem Kriege zwei neue Ballone kaufen und damit die Aktivitäten des Vereins in vollem Umfange wieder aufgenommen werden könnten.
Im Jahresbuch des Vereins für das abgelaufene Jahr 1915 (datiert am 4. April 1916) steht unter anderen: "Mit grösster Teilnahme verfolgt der Verein die grossartigen Leistungen der neuen Waffen in diesem Kriege, die in ihm die Überzeugung festigen, einer grossen vaterländischen Sache zu dienen. Zur aufrichtigen Bewunderung der Leistungen unserer militärischen Luftfahrer gesellt sich auch der Wunsch, nach glorreich erkämpften Siege die unterbrochene Friedenstätigkeit wieder aufnehmen zu können."
Beigelegt wurde noch die Einladung zur Hauptversammlung für den 16. Juni 1916. Die fand aber offenbar nicht mehr statt. Damit kann angenommen werden, dass der Verein zu Ende war. Denn weitere Vereins- Jahrbücher befinden sich in der Bibliothek des teplitzer Regionalmuseums nicht mehr.
Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich der Fortschritt der Flugtechnik auch im Zivilverkehr fort. Nach der Gründung der Tschechoslowakei (CSR) am 28. Oktober 1918 begann die tschechoslowakische Regierung zunächst die militärische Fliegerei aufzubauen. Sie gründete das Flugkorps - mit altem österreichischen Flugmaterial (Flugzeuge, Ballons) und dem einzigen Flugplatz in Cheb-Eger. Denn Flugzeuge verblieben an den Fronten. In Böhmen war in der Monarchie nur eine kleine
Flugzeug-Reparaturwerkstätte "Alma", und eine Flugzeugmotorenabteilung in der prager Firma Breitfeld-Danek AG. Flugzeugfabriken gab es im Lande keine. Der Fliegerpark wurde nach 1919 mit Material aus Frankreich angereichert.
In relativ kurzer Zeit wurde in der CSR eine verhältnismäsig leistungsstarke Flugzeugindustrie aufgebaut, nämlich die Fabriken Letov, Aero, Avia, CKD, alle in Praha, und Benes-Mraz in Chocen. Zugleich wurde die Entwicklung und Produktion von Flugzeugmotoren, Cockpit-Instrumenten und Zubehör eingeführt.
Die Militärverwaltung trug wesentlich zur Entwicklung des zivilen Flugwesens bei.
Bereits im Jahr 1919 errichtete das Ministerium für öffentliche Arbeiten die "Vzduchoplavecke oddeleni" (Luftfahrt-Abteilung), später die Sektion Ziviler Luftverkehr. Dieser erteilte Lizenzen für den Verkehr von Flugzeugen und für
Passagierflugverkehr.
Im Jahre 1923 errichtete das Ministerium der nationalen Verteidigung (MNO) die Sektion "Letecky dopravni oddil" (Flugverkehr-Sektion).
Die Tschechoslowakei mitunterzeichnete den internationalen Vertrag über Zivilluftverkehr und wurde Mitglied der zivilen Flugorganisation CINA.

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