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Preisverleihung
Anton-Gindely-Preis an den Brünner Historiker Malíř
16. November 2006
Historiker Jiří Malíř bei seiner Festansprache
Historiker Jiří Malíř bei seiner Festansprache
en diesjährigen Anton-Gindely-Preis bekam der Historiker Jiří Malíř aus Brünn. Gestern wurde der mit 7200 Euro dotierte Preis während einer feierlichen Zeremonie in den Räumen des Österreich-Instituts in Brünn von den Vertretern des Donauraum-Instituts in Wien an Professor Malíř von der hiesigen tsch. Universität übergeben. Professor Malíř wurde für sein Werk über die Entwicklung der politischen Parteien in Mähren in der Zeit von 1848 bis 1918 ausgezeichnet.
Zusammen mit Professor Malíř wurde auch Frau Eliška Nosálová aus Pirnitz (Brtnice) für ihre Verdienste bei der Revitalisierung des Geburtshauses des österreichischen Architekten und Designers Josef Franz Maria Hoffmann in Pirnitz ausgezeichnet. Das Pirnitzer Gebäude wurde 2004 nach zweijähriger Renovierung wieder eröffnet und beherbergt ein Museum über Leben und Werk des Mitbegründers der "Wiener Werkstätten".
Trägerin des Ehrenkreuzes, 
Frau Eliška Nosálová aus Pirnitz
Trägerin des Ehrenkreuzes,
Frau Eliška Nosálová aus Pirnitz
Das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst wurde Frau Nosálová von dem Bundespräsidenten Heinz Fischer verliehen. An der Feier nahmen der stellvertretende Bürgermeister von Pirnitz und viele Pirnitzer Bürger teil.
Anton Gindely und Anton-Gindely-Preis
Der Anton Gindely-Preis für Kultur und Geschichte Mittel,- Ost- und Südosteuropas wird seit 1997 vom Institut für den Donauraum und Mitteleuropa zur Auszeichnung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vergeben, die in ihrem Werk einen besonderen Beitrag zur grenzüberschreitenden kulturellen
Der Brünner Professor Jiří Malíř
Der Brünner Professor Jiří Malíř
und historischen Verständigung in der sprachlichen, nationalen und konfessionellen Vielfalt des Raumes und damit zum Verständnis der Wurzeln des „neuen Europa“ geleistet haben. Er schließt an den Anton-Gindely-Preis für Geschichte der Donaumonarchie (1979-1991) und an den Anton-Gindely-Staatspreis für Geschichte der Donaumonarchie und Mitteleuropas (1992-1996) an.
Der Preis ist nach dem Historiker Anton Gindely (1829-1892) benannt. Sein Vater war ein aus Ungarn stammender Deutscher, seine Mutter war eine Tschechin. Gindely studierte zunächst Theologie, Recht und 1852 legte er seien Doktorprüfung als Philosoph ab. Er lehrte an Realschulen, von 1853 bis 1855 an der Universität in Olmütz und von 1862 an der Prager Universität. Hier unterrichtete er unter anderem Josef Kalousek.
Im gleichen Jahr begann er auch seine Tätigkeit als Landesarchivar des böhmischen Königreiches.
Professor Ernst Bruckmüller,
Vorsitzender der Anton
Gindely-Preis-Jury
Professor Ernst Bruckmüller,
Vorsitzender der Anton
Gindely-Preis-Jury
1864 wählte man ihm in die Königliche böhmische Vereinigung der Wissenschaften, 1870 wurde er ordentliches Mitglied der Wiener Akademie und 1890 Mitglied der Franz-Joseph-Akademie.
Durch den Einfluß seines Vaters konnte er sich nie mit den nationalistischen Gedanken der Tschechen anfreunden und „hatte sich seit jeher weder als Tscheche noch als Deutscher, sondern immer nur als Österreicher gefühlt.“ (Brigitte Hamann.) Er war ein Interessenvertreter der österreichischen Monarchie. In der sich damals national polarisierenden Gesellschaft Böhmens und Mährens, auf der einen Seite die Deutschen, auf der anderen die tschechischen Patrioten, fand er sich nicht zurecht. Er versuchte eine politische Partei der Mitte zu gründen, aber die Arbeit an der Universität ließ ihm nicht genügend Zeit dazu.
Gindely hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, das sich größtenteils mit der Geschichte des 17. und 18. Jahrhunderts beschäftigt. In den ersten Jahren nahm er sich die Zeit der Hussiten vor und schrieb Quellen zur Geschichte der böhmischen Brüder, und Dekrete der Brüder-Unität. Von großer Bedeutung war 1855 die Gründung der Quellenedition Monumenta historiae bohemica.
Gestrige Anton-Gindely-Preisverleihung im Saale des Österreich-Instituts in Brünn
Gestrige Anton-Gindely-Preisverleihung im Saale des Österreich-Instituts in Brünn
Die Preisverleihung
Die Preisverleihung fand in dem prächtigen Brünner Gebäude des Österreich-Instituts. Die Brünner werden sich erinnern, es liegt hinter dem ehemaligen Deutschen Hause (früher am Kiosk). Das historische Gebäude wurde noch vor dem Deutschen Hause in dem neugotischen deutschen Stil gebaut.
Kurz vor Mittag versammelten sich hier viele Gäste zusammen mit den preisgekrönten Personen und Vertretern des IDM-Instituts. Anwesend waren auch einige Vertreter des Brünner Rathauses, Bürger von Pirnitz mit ihrem stellvertretenden Bürgermeister. Der Saal war voll, ein Haufen von Journalisten fotografierte die ganze Zeremonie.
Nach kurzer Eröffnungsansprache in beiden Sprachen hat der stellvertretende Bürgermeister von Pirnitz, Herr Stanislav Jirků die verdienstvolle Arbeit von Frau Eliška Nosálová zusammengefaßt. Seine Rede hielt er tschechisch. Dann wurde Frau Nosálová das Ehrenkreuz feierlich übergeben. Sie bedankte sich anschießend und schilderte in ihrer Rede die Arbeit und umfangreiche österreichische Hilfe für die Eröffnung des Hoffmann-Hauses in Pirnitz.
Es folgte die Rede des Rektors der Masarykuniversität in Brünn, Fiala, welcher auch der Professor Malíř angehört. Er bedankte sich bei Professor Malíř, bei dem er studiert hat und auch seine Diplomarbeit machte, für seine langjährige Lehrtätigkeit. Der tschechische Rektor hat die anwesenden Gäste angenehm überrascht. Obwohl aufgefordert auf tschechisch zu sprechen, hat er seine Rede auf deutsch verlesen.
Der Vorsitzende der Anton-Gindely-Preis-Jury, Professor Ernst Bruckmüller erläuterte danach die Verdienste von Professor Jiří Malíř und seine mittlerweile schon zur Tradition gewordene Zusammenarbeit mit der Wiener Universität und dortigen Historikern.
Profesor Malíř selbst sprach dann (auf Deutsch) über seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter. Erwähnt wurden viele seiner zahlreichen Bücher, Publikationen und Veranstaltungen, die oft die Themen aus der Zeit der Donaumonarchie verarbeiten. Zu erwähnen ist z.B. sein Werk: Zwischen „Besední dům“ und dem Deutschen Hause. Nach seiner Festansprache wurde ihm feierlich der diesjährige Anton-Gindely-Preis übergeben. Profesor Malíř organisierte voriges Jahr auch die tschechische Konferenz zum Mährischen Ausgleich 1905. Wir haben darüber berichtet, den Artikel über die Tagung finden Sie hier.
Das Gala-Mittagessen
In der Mitte Ministerialrat i.R. 
Dr. Othmar Huber (IDM)
Das Gala-Mittagessen
In der Mitte Ministerialrat i.R.
Dr. Othmar Huber (IDM)
Es war die Mittagszeit und die Veranstaltung wurde mit einem Gala-Mittagessen beendet. Die umfangreiche Speisenfolge der wohlschmeckenden mährischen Küche, wie auch die tschechischen Köche und die schicken Servierdamen haben bei den anwesenden Gästen sicher eine angenehme Erinnerungen an Brünn hinterlassen.
     
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