Josef Kapoun, 18. September 2006
Teplitz-Schönau
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n den Jahren 1760-1770 bastelte auf seinem Weiler Klus bei Vodnany in Südböhmen ein Tscheche namens Vit Fučik an einem Flugapparat aus Holz und Blech. Er versuchte mit Blasen, aufgefüllt mit Jauchegasen ldas Gewicht zu verringern. Es soll ihm gelungen sein, einige Sprünge mit seinem Gerät zu machen, wobei er sich aber am Schluss seiner gewagten Versuche tödlich verletzte.
Am 2. November 1782, nach elf Jahren mühevoller Arbeit, stieg zum erstenmal in der französischen Stadt Annonay ein Heissluftbalon der Gebrüder Montgolfiere in die Höhe. Schon am 18. März 1784 ließ der tschechische Wissenschaftler und Forschungsreisende Tadeus Hanka, die erste Montgolfiere in Böhmen aufsteigen. Diesen Erfolg wiederholte er am 12. September 1784 in Mähren.
Im Herbst 1790 kamen die Luftfahrer Pierre Blanchard und Dr. Jeffers mit einer grossen Montgolfiere nach Prag. Sie brachten die Begeisterung der Menchen für Ballonfliegerei in Wallung. „Der Himmel Europas bedeckte sich mit Ballonen“. Versuche mit Flugapparaten schwerer als Luft gingen in diesem enthusiastichem Lärm unter. Blanchard unternahm am 31. Oktober 1790 im Prager Wildpark (Královska obora) einige Aufstiege mit seiner Montgolfiere, davon einen zum erstenmal mit dem tschechischen Wissenschaftler Joachim Sternberk, dem Mitbegründer und ersten Präsidenten des Nationalmuseums.
Im nachfolgenden Jahr 1791 produzierte sich Blanchard anlässlich der Krönung des Kaisers Leopold II. zum böhmischen König erneut in Prag.
Obwohl schon im Jahre 1784 der Holländer Minckkelaers das presigünstigere und ungefährlichere Leuchtgas (anstatt Wasserstoff) als Traggas für Ballons entdeckte, war es der Engländer Green, der es 1821 bei der Ballonfahrt anzuwenden begann. Am 9. Juli 1851, sechzig Jahre nach den ersten Flügen Blanchards in Prag, stieg Mr. Coxwell mit seinem Luftgas- Ballon vom Hofe des Gaswerkes in Karlin auf. Mit dem ersten zahlenden Fluggast, dem Fabrikanten Leonard flog er bis nach Poděbrady.
Im Jahre 1784 projektierte der Franzose Meusnier ein erstes Luftschiff. Aber erst im Jahr 1852 realisierte der Franzose Giffard einen mit Wasserstoff- oder Leuchtgas gefüllten länglichen Ballon mit einem Propellerantrieb.
Im September 1862 turnte in Prag der Luftkommödiant Baudet auf dem Schaukelreck seiner schwebenden Montgolfiere den gaffenden Zuschauern seine Kunsttücke vor.
Der erste tschechische Luftfahrer wurde der Tanzmeister Josef Vydra; er stieg am
22. August 1865 auf der Schustermesse "Fidlovačka" als "Windsegler" mit einer Montgolfiere auf.
Die Jubiläumsausstellung vom 15. Mai bis 18. Oktober 1891 (100-Jahrfeier der Industrieaus- stellung 1791, der ersten ihrer Art in Europa - und Krönung Lepold II.) wurde auch zum großen Fest der Ballonluftfahrt. Schon am 25. Mai 1891 wurde der Fesselballon mit dem Namen "Kysibelka" in die Höhe gelassen. Die "hässliche Beule" diente in der Höhe von 100 Metern als schwebende Reklame für das Mineralwassers des Karlsbader Unternehmers Mattoni.
Der Betreiber des Fesselballons "Kysibelka" war der deutsche "Hauptmann" Wolff. Er nannte ihn auf "Prag" um und stieg am 16. Juni 1891 zum ersten mal mit ihm frei, d.h. ohne Fesselseil mit drei Passagieren hoch. In der Höhe von 1000 m platzte jedoch der Ballon, sank aber wie ein Fallschirm auf den Boden, so dass sich keiner der Passagiere verletzte.
Die Professoren der Prager Technischen Universität, die Tschechen Zenger und Vávra erklärten in der offiziellen Untersuchung den ´balon captif ´ "Kysibelka" bzw. "Praga" als absolut ungeeignet für Freiflüge. Denn er war nach einer französischen Zeichnung aus dem Jahre 1794 gebaut.
Während der Jubiläumsmesse 1891 führten neben Wolff, der bald abreiste, auch die Franzosen Godard, Surcouf und Taupin ihre mitgebrachten Ballons vor. Unter anderem stiegen sie mit Passagieren hoch, darunter z. B. mit dem Kavallerie-Offizier Graf Zedwitz-Coudenhove.
Insgesamt wurden während der Ausstellung 35 Ballonaustiege mit Passagieren durchgeführt.
Die Ballonvorführungen begeisterten die Besucher und Zeitungsleser so stark, daß sie Anlass gaben, die "Tschechische aeronautische Gesellschaft“ zu gründen. Ende August 1891 trafen sich in dem Prager Restaurant "U Choděru" einige tschechische Freunde mit den französischen Luftfahrern Surcouf und Godard. und besprachen die Gründung einer Luftfahrervereinigung. Unter den Befürwortern bzw. Gründern waren keine Adeligen, Politiker, Grossgrundbesitzer und Fabrikanten, die sich aus Prestige-gründen verpflichtet gefühlt hätten, einer solchen Verinigung anzugehören, sondern für die Ballonfahrt begeisterte Ofenbauer, Krämer, Zeitungsredakteure, Handelsreisende. Antreiber der Gesellschaft war der Luftfahrt-Fachmann und Enthusiast O. F. Vaněk.
Einige Tage vor Schluss der Jubiläumsausstellung, am 15. Oktober 1891 wurde der "Česky klub aeronauticky" (Tschechischer aeronautischer Klub) ins Leben gerufen.
Die anfängliche Begeisterung legte sich aber merklich nach dem kurzen Vortrag des gewählten Vorsitzenden, Physik-Professor Václav Zenger. Er lenkte nämlich die Aufmerk-samkeit des Klubs weg von den Ballonen zu Flugzeugen schwerer als Luft. Seine Ausführungen waren natürlich richtig. Klar und nüchtern beurteilte er die Situation, die sich für die Zukunft abzeichnete. Er kannte den erfolgreichen Flug des lenkbaren Luftschiffes von Renard "La France" im Jahre 1884 und sah das Aufkommen von Flugzeugen, die nach dem Prinzip des Drachens gebaut würden, obwohl die ersten Flüge des Deutschen Weisskopf im Jahre 1901 und der amerikanischen Gebrüder Wright im Jahr 1903 noch nicht vorlagen. Der Brasilianer Dumont flog in Paris im Jahr 1901 sein Luftschiff, welches er mit einem motorischen Druckpropeller ausstattete. In den Jahren 1891-1896 führte der große Flugzeugpionier Otto von Lilienthal bei Berlin mehr als tausend Gleitsprünge und -flüge mit seinem, einem Drachen ähnlichen Flugapparat durch. Weisskopf (der sich in den USA Whitehead nannte) und die Gebrüder Wright übernahmen die Ergebnisse seiner Gleitflugexperimente.
Seit dem Jahre 1891 existierte in einem Wiener Ministerium eine Luftfahrt-Abteilung.
Die Statuten des Tschechischen Aeronautischen Klubs wurden am 19. April 1892 offziell in der Presse, vom k. u. k. böhmischen Statthalter als genehmigt verkündet.
Da hatte sich aber die Begeisterung der Bevölkerung und der Klubmitglieder für die Ballonfahrten bereits verflüchtigt und die Chancen für eine Förderung der Luftfahrt waren verpasst. Die Promotoren der Gesellschaft bzw. des Klubs, Prof. Karel Václav Zenger, Redaktor O. F. Vaněk und Unternehmer Kovář verließen den Klub. Die Führung übernahmen Wandas and Hůlka. Sie wurden die aktivsten Mitglieder. Am 29. August 1893 wurde in Prag-Žofin die Erste Prager Luftfahrtschule eröffnet, in welcher Surcouf Instruktor war. Am 8. Oktober 1893 machten Wandas und Hůlka, unter Aufsicht der Polizei und der Statthalterei und mit Instruktionen von Surcouf ihre praktische Flugprüfung und erhielten jeder den Ballonführerschein "Kapitän der Luftfahrt".
Die Tschechische Aeronautische Gesellschaft kaufte vierzehn Tage danach Surcouf seinen Ballon "Victor Hugo" ab und änderte den Namen auf "Ressel". Dies zur Erinnerung an und zu Ehren des deutschböhmischen Erfinders des Wasser- und Luftpropellers Ressel. Der Ballon gehörte der ganzen Gesellschaft.
Der Klub-Ballon "Ressel" führte etliche Flüge durch, insgesamt 76 bis zum Jahr 1900; den letzten am 17. Juni 1900.
Im Jahre 1893 führte die Aeronautische Gesellschaft in Prag-Žofin eien aeronautische Ausstellung duch Dies nur fünf Jahre nach der "Selbständigen aeronautischen Ausstellung" im Wien-Prater, als zweite derartige Veranstaltung in Mittel- und Osteuropa. Der Organisator in Prater war (1888) der österreichische "Flugtechnische Verein", der in seinen Reihen mehr als 100 Professoren, Barone, Direktoren und hohe Offiziere vereinigte. Die Prager Ausstellung in Žofin war demgegenüber aus eigenen Mittel finanziert (eine Aktion "Národ sobě", d.h. „Das Volk für sich“), praktisch aber aus Mitteln von Ing. Reinhold Kovář, ohne Garantien klingender Namen und dritter Eigentümer.
Die "Tschechische Aeronautische Gesellschaft" fiel jedoch schon im Jahre 1896 wieder auseinander. Sie war beherrscht von Streitereien, Mißgunst und Eitelkeiten. Unschulding waren auch Wandas und Hůlka nicht, denn während der Jahre lernten sie keinen einzigen Nachfolger an, z. B. auch nicht den für Ballonfahrten begeisterten Unternehmer im Ofenbau Lipan. Hůlka schaffte sich einen eigenen Ballon an und erreichte beim Flug vom 18. August 1895 von Praha (Prag) nach Velké Popovice (Groß Popovitz) die Höhe von 3600 m.
In den Jahren 1900-1903 stieg in Prag kein Ballon auf, aber die Luftfahrt wurde nicht vergessen. Der unternehmerische Ofenbauer Antonin Lipan, der schon zehn Jahre einem Ballonaufstieg begehrte (er flog einmal mit Surcouf) gründete den Verein "Vzduchoplavecky klub" (Klub der Luftfahrer). Er gab dabei sein ganzes Geld aus und kaufte vom russischen Luftfahrer Vilon (der sich in Prag damals produzierte) seinen Ballon. Am 31. August 1903 stieg er mit ihm überglücklich auf. Aus finanziellen Gründen beendete der Klub am 30. Mai 1905 seine Tätigkeit.
Ende des Jahres 1908 versuchte Hůlka seine Fähigkeiten und seinen Ballon rentabel zu machen und kündigte in den Zeitungen die Gründung des "Aeronauticky klub" an. Vergeblich, er kam nicht zustande. Ballofahrten zogen nicht mehr an. Zum Zuge kamen die Flugzeuge schwerer als Luft. Es bewahrheiteten sich die Aussagen von Professor Zenger
(† 1908) vor 17 Jahren.
Am 11. Dezember 1909 wurde in einer Sitzung und im Januar 1910 in der Generalversammlung der "Česky aeroklub" gegründet. Dessen Männer dachten schon lange über Flugzeuge nach, obwohl manche von ihnen nostalgisch den früheren romantischen Ballonfahrten nachtrauerten.
Von allen Erfindern, die in Böhmen und Mähren wirkten, realisierte seinen Traum vom fliegenden Apparat nur einer - der Deutsch-Mährer Paul Haenlein. Es gelang ihm in Brünn-Brno eine "Luftfahrergruppe" (Vzduchoplavecke družstvo) zu bilden und ein Luftschiff zu konstruieren. Dieses flog am 13. Dezember 1872 über Brünn mit einer Geschwindigkeit vom 8 km/h. Dessen Form zeichnete bereits die Entwicklung der späteren englischen unsteifen (predjimala neztuzene) Luftschiffe voraus. Der Druckpropeller mit Durchmesser von 5 m wurde von damaligen letzten Schrei der Technik - den Explosionsmotor von Lenoir angetrieben. Den Brennstoff spendete der direkt mitgeführte Vorrat von Traggas.
Nach der Landung wurde Haenlein begeistert von den Zuschauern und Mitgliedern seiner Gruppe empfangen. Die erwartete finanzielle Hilfe von der österreichisch-ungarischen Armee, blieb jedoch aus. Die Gruppe erklärte Konkurs und Haenlein nahm sich aus Verzweiflung das Leben.
Als sich seit dem Jahr 1907 die Erfolge von Flugzeugen schwerer als Luft mehrten, begeisterten sich auch in Böhmen Fans für diese Art des Fliegens. Von den Tschechen ragte Ing. Jan Kapsar hervor, der bereits im Jahre 1910 in Pardubitz (Pardubice) eine Flugschule eröffnete und selbst Flugzeuge und einen Flugzeugmotor konstruierte. Im Jahre 1911 zeichnete er sich mit einem Flug aus Pardubitz nach Prag und von Melnik nach Prag aus. Diesmal mit einem Zeitungsredaktor an Bord. Weitere bedeutende tschechische Flieger der damaligen Zeit waren Čihak, Črmak, Simunek, Langlerova u.a. Damals begannen ihre Tätigkeit ie später erfolgreichen Flugzeugkonstrukteure Beneš Hajn, Husnik und Smolik. Diese gründeten zusammen mit anderen Jahre 1913 den "Aviaticky klub". Dessen Tätigkeit unterbrach jedoch der Erste Weltkrieg.
Zu erwähnen ist der Teplitzer Deutsche Rudolf Krocker. Er erhielt am 15. April 1901 (angemeldet am 4. Dezember 1899) das österreichische Patent Nr. 4050 für ein von ihm nach mehreren Versuchen entworfenes lenkbares Luftschiff, ausgestattet mit tragenden Flügelchen und einem ziehenden Propeller an der Spitze des Luftschiffes. Der Propeller glich in der Art der Luftschraube von Ressler. Das Luftschiff wurde jedoch nicht gebaut, weil Krocker der geignete Motor noch fehlte. Krocker bemühte sich zu beweissen, dass es dem Menschen möglich sei, auf längere Zeit in der Luft gelenkt herumzufliegen.
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