EP, 30. August 2006

ie alten Brünner werden überrascht sein, von dem Haus haben sie noch nie gehört. Zugegeben, der Vergleich hinkt etwas. Ein Chamäleon kann von sich aus seine Farbe wechseln, ein Haus nur, wenn es der Eigentümer will. Aber ein Haus kann auch seinen Namen wechseln, wenn es der Eigentümer will, oder wenn es eine hochlöbliche Stadt-verwaltung so will.
Es geht um das Haus Nr. 17 am Freiheitsplatz. Nach dem Willen der Stadtverwaltung heißt es: „Dům pánů z Lipé“ (Das Haus der Herren aus Lipa).
Wir, die alten (deutschen) Brünner kannten es als Schwarzsches Haus. Um der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen, hat die BRUNA Herrn Dr. Schneider um Recherche gebeten. Wir zitieren aus dem Ergebnis:
Der vermögende Weinhändler und Brünner Bürger Christoph Schwarz aus Retz (N.Ö., südlich von Znaim) kaufte 1587 dieses Haus, das damals angeblich „Zum roten Ochsen“ hieß, von dem damaligen Eigentümer Čeněk von Lípa. Schwarz ließ es abreißen, von da an gab es kein Haus „von Lípa“ mehr. Nicht aber für die Brünner Stadtverwaltung, der mißfiel offenbar der Name Christoph Schwarz, obwohl noch Anfang der 90er Jahre eine Tafel an dem Hause ein „Schwarcův palác“ erwähnte. Damals kannte der Magistrat offenbar die richtige Bezeichnung des Hauses. Es hieß (richtig) so, weil Christoph Schwarz, nachdem er das Haus gekauft hatte und niederreißen ließ, ein neues Haus erbaute, sein Haus, eben das Schwarzsche Haus. Die Italiener Gabri und Gialdi waren dabei am Werke.
Unbeirrt aber hält das offizielle BRNO an der Version des Lipá- Hauses fest. Selbst in dem Kaufvertrag, den der damalige Primator Ducho? mit der Firma Unistav am 19.November 1999 schloß, wird das Haus der „Herren aus Lipá“ , das es eigentlich gar nicht mehr gab, verkauft.
Da sage noch einer, man wolle nicht systematisch den Anteil an deutscher Vergangenheit dieser Stadt Brünn auslöschen; selbst Kanaldeckel die deutsche Bezeichnung aufweisen, werden ausgetauscht.
Nun, kommt Zeit, kommt Rat, und offensichtlich beginnen sich bestimmte verhärtete Einstellungen zu ändern. Vielleicht bricht sich eines Tages auch vor dem Hause Freiheitsplatz Nr.17 die Wahrheit eine Gasse, und es wird eine Tafel angebracht, die den echten Bauherrn, Christoph (nicht Kryštof) Schwarz benennt (wie es schon einmal der Fall war).
Da uns glaubhaft versichert wird, daß beim Magistrat der „Brünner Heimatbote“ sorgfältig gelesen wird, könnte es sein, daß sich Einsicht durchsetzt. So wie wir es mit dem Hinweis auf das sanierungsbedürftige Marterl, auf das wir durch eine Übersendung des betreffenden Artikels hingewiesen haben, ebenfalls erhoffen.
Literatur: Budík und Samková: BRNO v 80 barevných fotografiích,
Moravská Galerie: Veřejné reprezentační účelové a obytné budovy, S. 138
Matěj Morava a kolektiv, „Brünn und Südmähren“