V. r. nach l.: Prof. Malíř (Brünn), Prof. Höbelt (Wien),
Jeremy King (U.S.A.), Prof. Kořalka (Prag), Prof. Urbanitsch (Wien) |
m 10. und 11. November haben auch die Tschechen an den Mährischen Ausgleich 1905 erinnert. Nur war wieder alles ein bißchen anders als bei den vorigen internationalen Tagungen in Brünn und Brixen. Der Hauptveranstalter dieser Konferenz, die tschechische Masaryk-Universität in Brünn hat soviel Wert auf den streng wissenschaftlichen Charakter ihrer Tagung gelegt, daß sich am Donnerstag und Freitag in einem kleinen Saal nur etwa 40 Teilnehmer zusammen gefunden hatten. So klein die Zahl der Besucher war, so zahlreich waren die Referenten, vertreten durch etwa 15 Sprecher, darunter auch viele Akademiker aus Wien, Salzburg, München und U.S.A.
Die tschechischen Politiker haben den Jahrestag des Mährischen Ausgleichs ignoriert. Obwohl die tschechische Konferenz von der Landesregierung in Brünn finanziell unterstützt wurde, kam von den Politikern niemand. Sie haben auch die vorige Veranstaltung der BRUNA zu dem Mährischen Ausgleich in September völlig ignoriert.
Die Reden und Vorträge waren tatsächlich fachlich und wissenschaftlich. Obwohl die Sprecher aus Österreich, Deutschland und U.S.A. auf die positive Rolle des Mährischen Ausgleichs für das friedliche Zusammenleben beider Nationen aufmerksam gemacht haben, waren von der tschechischen Seite überwiegend skeptische Töne zu hören. Das Ereignis von 1905, die erfolgreiche Einigung von Tschechen und Deutschen im mährischen Landtag in Brünn auf einen Ausgleich ihrer Interessen und Zuständigkeiten, wurde als eine vorübergehende Aktion vor dem Krieg, als überwunden, veraltet oder für Heute wenig aussagend bezeichnet.
Man muß zwar der tschechischen Seite lassen, daß sie das Thema fachlich erfaßt hatte und über das weltweit bekannte Ereignis diskutieren wollte, die Abwesenheit der anderen Seite über die diskutiert werden sollte, der deutschen Bewohner Brünns und Mährens erwies sich aber auf der Konferenz als deutliches Manko.
Als die BRUNA, der Verband der Brünner Deutschen in Deutschland im September das gemeinsame Treffen der Deutschen und Tschechen in Brünn organisierte, war es ganz umgekehrt. Damals waren alle möglichen tschechischen Akademiker, Universitäten, Politiker und offizielle Vertreter rechtzeitig eingeladen worden. Sie glänzten überwiegend durch Abwesenheit, was nicht gerade Mut machte, die tschechische Aktion im November zu besuchen.
Es hat sich gezeigt, daß selbst 100 Jahre nach dem mährischen Ausgleich, Tschechen und Deutsche in Brünn nicht gemeinsam an einem Tisch sitzen können um über die hundert Jahre alte gemeinsame Geschichte zu sprechen. Die einzigartige Chance, die der Jahrestag des Mährischen Ausgleichs bot, nämlich über die Verbesserung der gemeinsamen Beziehungen zu sprechen, haben die Tschechen mit ihrer getrennten Fachtagung verfehlt.